Nach oben

Partnerschaften für Demokratie - Wuppertal 2017

Demokratiekonferenzen 2017

Am 18.10. und 06.12.2017 wurden in der „Alten Feuerwache“ an der Gathe zwei Konferenzen unter dem Motto „Demokratie! Wie?“. Wie kann Beteiligung gestaltet werden?“ abgehalten. Im Rahmen der 1. Konferenz diskutierten 65 Teilnehmer*innen in 4 Arbeitsgruppen zum Thema, wie gelingen kann, Beteiligung von Jugendlichen, Erwachsenen- und Seniorengeneration sowie Familien zu fördern und weiter zu entwickeln.

Verschiedene Ideen entstanden:  Jugendliche können am ehesten angesprochen werden  über zu entwickelnde Apps und eine Homepage sowie die Versendung von Newslettern, Projekte mit dem Medienprojekt Wuppertal und durch Werbung der Teilnahme an Schulen. Um Erwachsene einzubeziehen, bedarf es zunächst einer breiten Analyse, Maßnahmen wie Foodsharing, Online-Petitionen und Bürgerbudget auf Quartiersebene und Straßenfeste wären denkbare Angebotsformen. Gleiches gilt für den Einbezug für Familien: Quartiersbezogen gilt es Bedarfe zu erfassen und aus diesen Maßnahmen zu entwickeln, wie Stadtteil-Rallyes mit Familien, Projekte zur Verbesserung von Spiel- und Begegnungsmöglichkeiten im Quartier, Projekte zum Thema Sicherheit und Verkehr. Der Gruppe der Senioren waren die Themen Verkehr, Mobilität, Gesundheit, Pflege, Infrastruktur, Nahversorgung, Sicherheit, Bildung, Digitales, soziale Kontakte, Altersarmut wichtig. Hier soll versucht werden, bestehende Organisationen wie den Seniorenbeirat und ZWAR-Gruppen in die Gestaltung möglicher Angebote einzubeziehen.

In der 2. Demokratiekonferenz am 06.12.2017 war Ziel, die entwickelten Ideen zu konkretisieren und erste Projekte und Kooperationen festzulegen. Dies gelang jedoch auf Grund sehr geringer Teilnahme nicht. Einige freie Träger präsentierten Ideen, die aber noch nicht in konkrete Maßnahmen zu fassen waren: Ein Projekt zur Aktivierung aller Generationen in Quartier Hesselnberg, ein generationsübergreifendes Kunstprojekt zum Thema Toleranz, ein Projekt zur aktiven Zukunftsgestaltung mit Jugendlichen. Im Rahmen des 1. Begleitausschusses 2018 wurden die Ergebnisse der beiden Konferenzen ausgewertet und die Planungen konkretisiert sowie bis dahin eingegangene Projektanträge beraten bzw. eigene Projektideen aus den Beratungsergebnissen entwickelt.

 

Projekte 2017

Baumhauscamp: durchgeführt von der Flüchtlingsinitiative KOMM in Zusammenarbeit mit dem CVJM Langerfeld und der Kirchengemeinde Heckinghausen

Unser Baumhauscamp war ein voller Erfolg. Die 27 jungen Menschen - Geflüchtete und Deutsche - bewegten 10 Meter lange und über 600 Kilo schwere Baumstämme. Dabei haben sie gemerkt, dass sie gemeinsam viel erreichen konnten. Erstaunlich: Selbst der strömende Regen an zwei Tagen störte sie nicht, vielmehr wuchsen sie als Team noch stärker zusammen. Ali, ein 23-jähriger Syrer stellte danach fest, dass diese Tage seine besten in Deutschland waren, da er nicht Flüchtling, sondern Teil eines Teams war. Begleitet wurde diese erlebnispädagogische Maßnahme durch das gemeinsame Beschäftigen mit unseren Grundrechten.

 

Demokratie und Toleranz: Ein Kunstprojekt der Diakonie Wuppertal und der Kinder Jugend Familie gGmbH

Im Verlauf des Projektes hatten alle Teilnehmer die Gelegenheit viele unterschiedliche Materialeien auszuprobieren. Die Arbeiten mit Acrylfarben, Collagen, Graffitis, Tusche und Bleistiftzeichnungen/Skizzen, wurden am Ende eines jeden Projekttages gemeinsam besprochen. Inhaltlich konnten sich die Teilnehmer mit den o.g. Artikeln des Grundgesetzes auseinandersetzen. Im Verlauf der vielen Diskussionen um das Thema und den erstellten Arbeiten zeigte sich bei den Teilnehmern auch eine Auseinandersetzung mit ihren eigenen Erfahrungen. Drei Teilnehmer stammten aus Familien, die kürzlich unter schwierigen Umständen ihre Länder verlassen hatten, um Zuflucht in Deutschland zu finden. In den meisten Arbeiten spiegelte sich immer wieder die Identität der Teilnehmer wieder. Besonders fielen einige sehr ausdrucksstarke Bilder den Betrachtern auf, wo es deutlich wurde, wie Teilnehmer sich diesem Medium der Kunst bedienten, um Erlebtes zu verarbeiten. Einige der Arbeiten zeigten eine grafische Auseinandersetzung mit dem Thema, die mehr an Plakatkunst und Parolen auf Häuserwände erinnerte. Somit konnten sich die Teilnehmer auf verschiedenen Ebenen mit der „Demokratie“ künstlerisch beschäftigen und im Verlauf sich dem Thema noch mit einer inhaltlich tieferen Betrachtungsweise auseinander setzen. Gerade in Hinblick auf das Thema „Flucht“, wurde hier die für uns immer selbstverständliche Demokratie von den jungen Künstlern mal aus einer anderen Perspektive betrachtet. An dem Kunstprojekt nahmen insgesamt 16 Jugendliche unterschiedlicher Nationalitäten teil. Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 16 Jahren setzten ihre Eindrücke, Erfahrungen und Wünsche zum Thema "Demokratie und Toleranz" künstlerisch um. Am Ende wählten die Teilnehmer die Arbeiten aus, die sie in einer Gemeinschaftsausstellung einem Kunst- und politisch interessierten Publikum zeigen wollten. Im Vorfeld haben die Kinder und Jugendlichen für die Vernissage Brownes gebacken. Zum Abschluss des Projektes gab es noch eine gemeinsame Kochaktion. Am 17. November wurden über 200 Personen persönlich zu einer Vernissage eingeladen. Eine große Anzahl an Besuchern aus Politik, Bewohnern, Eltern, Lehrern und pädagogischen Mitarbeitern besuchte die Ausstellung.

 

Nachbarköpfe: durchgeführt vom Internationalen Jugend- und Begegnungszentrum Alte Feuerwache gGmbH      

Die Zuwanderung von geflüchteten Menschen nach Deutschland führt neben den Aussprüchen für eine offene und tolerante Gesellschaft, in der aktuellen Entwicklung zunehmend  zu angstbesetzten Debatten. Rechtpopulistische Parteien und Organisationen gewinnen an Zulauf und rechtsextreme Äußerungen in Medien Politik und der Zivilbevölkerung häufen sich. Geflüchtete werden in der Regel als homogene Gruppe betrachtet. Hinzu kommt, dass sie kaum Möglichkeiten haben, sich gegen die Stigmatisierungen zu Wehr zu setzen und es fehlen ihnen weitgehend politische Beteiligungsmöglichkeiten. Diese Tendenz betrachten wir, insbesondere bezüglich der  kommenden Wahlen, als besorgniserregend. Deswegen möchten wir (Flüchtlingshilfe Nordstadt, Alte Feuerwache gGmbH, Wuppertaler Künstler Friedhelm Büchele, startpunkt.e.V., Quartiersmanagement für Integration Nordstadt) ein Projekt initiieren, welches Toleranz und das Ankommen in einer neuen Gesellschaft thematisiert und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Als künstlerisches Mittel werden die sogenannten „Nachbarköpfe“ eingesetzt. Dabei handelt es sich um 3,5 Meter große Köpfe aus Ballonstoff. Mittels Videoprojektionen werden sowohl die Gesichter der Teilnehmenden gezeigt, als auch ihre Geschichte erzählt. Wir beabsichtigen, die Köpfe an einem belebten Platz im Stadtteil ausstellen und sind darüber mit der Stadt Wuppertal in Verhandlung. Die teilnehmenden Geflüchteten aus unterschiedlichen Communities, Migranten*innen  mit Fluchterfahrung und Vertriebene aus Ost-Europa nach 1945 erarbeiten gemeinsam in einer Projektgruppe mit dem Künstler und den Projektbeteiligten eine künstlerische Aufarbeitung ihrer gemeinsamen Fluchtthematik. Dabei können unter anderem  folgende Fragen im Zentrum stehen: Mit welche Hoffnungen, Erwartungen und Ängsten war deine Flucht verbunden?  Wie wurdest du aufgenommen? Wie stellst du dir deine Zukunft vor bzw. wie hast du sie dir damals nach deiner Flucht vorgestellt? Was würdest du einem Geflüchteten heute raten, der nach Deutschland bzw. Wuppertal kommt? Die Präsentation der Ergebnisse findet draußen in der Öffentlichkeit statt und soll möglichst viele Menschen erreichen, vor allem auch diejenigen, die zu Stereotypisierung tendieren. Einer der Köpfe kann interaktiv mit den Passanten*innen in Aktion treten und sich mit ihnen über die Thematik austauschen. Durch die Fragestellung setzen sich die Teilnehmenden mit ihrer Biografie, eigenen Vorurteilen und Ängsten auseinander. Die Begegnung von Geflüchteten aus unterschiedlichen Kulturkreisen, mit unterschiedlichen Biografien und Weltanschauungen bietet dabei interessante Synergien.  Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden deutlich. Die Passanten*innen werden mit anderen und zum Teil auch konträren Weltanschauungen konfrontiert. Durch das Projekt erfahren die Besucher, dass hinter anonymen Nachrichten und Begrifflichkeiten wie „Flüchtlinge“ Individuen mit Gesicht stecken,  die Ihre eigene Geschichte haben und keine homogene Gruppe bilden. Das Projekt soll  auf beiden Seiten zum Abbau von Vorurteilen und zu mehr Toleranz und Zuversicht hinsichtlich des Zusammenlebens führen. Weitere Ziele: Stereotypisierung aufheben; einer Gruppe von Menschen, die kein Stimmrecht haben, die Möglichkeit zu geben, ihren Meinungen und Ansichten öffentlich kundzugeben; Begegnungen und Austausch zwischen Geflüchteten aus unterschiedlichen Communities Migranten*innen und Einheimischen wird gefördert, wodurch die gegenseitige Akzeptanz gesteigert und strukturelle Diskriminierung bestimmter Gruppen entgegengewirkt werden Menschen mit der Fluchtthematik erreichen, die sich kaum mit dieser beschäftigen bzw. deren Meinung angstbesetzt ist.

 

Demokratie und Toleranz: Die neue Bildungsreihe der Börse

Den Startschuss gibt der Aktionstag „Du bist Demokratie“ und dem Stopp des Aktionsbusses der Demokratie leben–Tour der Landeszentrale für politische Bildung NRW am Mittwoch, 06. September, an der börse. Am Abend des 6. Septembers feiert die neue Vortrags- und Diskussionsreihe „Kulturkampf von rechts“ ihr Debüt. Dann referiert der bekannte investigative Journalist und Buchautor Jürgen Roth  über eine von autoritären Machthabern und dem Rechtsruck in der westlichen Welt gefährdete Demokratie. Die Reihe Kulturkampf von rechts findet am Mittwoch, 20. September, ihre Fortsetzung, wenn Lenard Suermann über die „Identitäre Bewegung“ aufklären kann. Der Dramaturg Alexander Kerlin denkt am Mittwoch, 11. Oktober, mit Stippvisiten in ultrarechte und autokratische Kulturdiskurse über gegenwärtige Bedrohungen für die Freiheit der Kunst nach. Am Mittwoch, 22. November, berichtet der New Yorker Journalist Riccardo Valsecchi über die Alt-Right Bewegung in den USA und den Populisten Stephen Bannon. Über den Chefberater des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Yigit Bulut und dessen Verschwörungstheorien referiert am Mittwoch, 29. November, Dr. Kemal Bozay.

 

Veranstaltungsreihe zum Thema Migration - Each 1 Teach 1: durchgeführt von: KiTma e.V.

 

Veranstaltungsreihe zum Thema „Was ist Demokratie? des Vereins Kult-Sport e.V.: