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Partnerschaften für Demokratie - Wuppertal 2018

Demokratiekonferenz 2018

Am Samstag, den 9. September 2018, wurde auf dem Johannes-Rau-Platz im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie Leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die fünfte Demokratiekonferenz in Wuppertal durchgeführt. Bei dieser öffentlichen Veranstaltung ging es darum Demokratie zu leben und über die drei Themen Zuhause und Heimat, Freizeit und Freizeitgestaltung, und Beteiligung zu diskutieren. Die Ergebnisse sind hier nun zusammengefasst dargestellt.

Thema „Zuhause in Wuppertal“: Es wurde ganz positiv berichtet, dass Wuppertal bereits eine tolle Stadt ist, mit schönen Ecken, guten öffentlichen Verkehrsmitteln und guter medizinischer Versorgung, in der freie Bewegung möglich ist und sich niemand diskriminiert fühlt. Toleranz, Zusammenhalt, Freundlichkeit, Sauberkeit, gute Kommunikation mit den Nachbarn, wenig Autoverkehr und mehr Straßenraum für Fuß- und Radverkehr waren weitere Punkte, die zu einem Heimat-Gefühl beitragen. Ein gemeinsames Kümmern von Bürgern, der Politik und der Verwaltung der Stadt führen ebenfalls zu einem Gefühl des Zuhauseseins. Im Speziellen wurde genannt, dass MigrantInnen, die deutlich machten, dass auch sie Teil der Stadtgesellschaft sein wollen, zu einem positiven Heimat-Gefühl beitragen. Kritisiert wurde, dass es in Unterbarmen nichts im Umfeld gibt, dass zu einem Zuhause-Gefühl beiträgt. Außerdem würden folgende Dinge in der Stadt fehlen: freundliche Menschen, schöne Plätze in allen Quartieren, mehr Natur, Begegnungsorte und Zentren für Jugendliche, Familien und Frauen, eine behindertengerechte Umgebung, Sauberkeit und Veranstaltungen jeder Art, wie zum Beispiel Sportveranstaltungen, Feste, Volksfeste und Stadtteilfeste. Leere Orte sollten von den Bewohnern genutzt werden können und für Obdachlose sollte mehr getan werden, die Armut sollte bekämpft werden und eine gute Tageszeitung sollte eingerichtet werden. Es fehlen niedrige Preise für die Außengastronomie, eine Stärkung von Frauen und eine geeignete Kinderbetreuung. Außerdem kennen viele MigrantInnen und Flüchtlinge einige schöne Ecken Wuppertals nicht. Hier müsste für mehr Kenntnis der Stadt und darüber für mehr Bezug zur Stadt gesorgt werden. Konkret wurde auf den Mangel einer Zentralstelle „Jung hilft Alt“, in der sich Alte und Junge gegenseitig helfen, und auf ein Mitmachhaus hingewiesen. Um dem Abhilfe zu schaffen, wurden folgende Vorschläge zusammengetragen: KünstlerInnen sollten engagiert werden, um die Stadt zu gestalten und die Stadt sollte Projekte entwickeln, um private Initiativen zu unterstützen. Man selbst könnte Nachbarschaftshilfen, wie zum Beispiel Reparatur-Cafés, initiieren, Sachen zum Verleih anbieten (zum Beispiel Werkzeuge), niedrigschwellige Angebote im Viertel ausrichten, sich politisch mehr einbringen und sich an der Gestaltung der Stadt beteiligen. Um sich in den Vierteln besser kennenzulernen, sollten Feste und Feiern organisiert werden. Muslime sollten zu Weihnachten in die Kirchen eingeladen werden und Christen zum Fastenbrechen in die Moscheen. Ein weiterer Punkt war die Förderung von Grün in der Stadt. Die eigenen Vorgärten könnten bepflanzt, leere Flächen mit Pflanzen begrünt und mehr Urban-Gardening betrieben werden. Der letzte diskutierte Punkt hatte mit der Sauberkeit im Viertel zu tun. Hier wurde vorgeschlagen, dass Aktionen, wie den „Wupperputz“, auf Viertelebene durchzuführen.

Thema „Freizeit“: Die Menschen in Wuppertal besuchen Konzerte, Festivals, öffentliche Veranstaltungen, gehen Schwimmen, sind in der Politik aktiv, genießen das Leben in den Familien und mit Freunden. Konkret wurde das Tanzfestival im Engelspark erwähnt und als Lieblingsorte der Stausee Beyenburg, der Toelleturm und Laaken genannt. Die freie Szene wurde als besonders gut hervorgehoben. Positiv wurde auch die Mobilität in der Region bewertet. Kritisiert wurde das Fehlen von öffentliche Toiletten und Wasserspender für Menschen, die durch die Stadt spazieren, eigene Angebote für Erwachsene und Familien mit Kleinkindern sowie für Frauen. Es mangelt ebenfalls an Festen, Volksfesten und ganz konkret ein internationales Tanzfestival. Bäder und Freibäder fehlen und ganz allgemein fehlt das Element Wasser im öffentlichen Raum, konkret wurde hier auf das wasserlose Mirker Freibad verwiesen. Stadtteilführungen zum Thema Religion und religiöse Stätten, mehr Fahrradtrassen und bessere Busverbindungen wurden gefordert. Ein weiterer Kritikpunkt war, dass der Stadtteil Barmen abends keine ausreichenden Ausgehmöglichkeiten bietet und viel Leerstand beseitigt werden muss, um die Innenstadt als Freizeitgebiet wieder zu beleben.

Thema „Beteiligung“: Die BürgerInnen würden gerne bei folgenden Themen mitreden:  Umwelt und Naturschutz, die Schaffung von Räumen an der Wupper, eine naturnahe Landwirtschaft, die Mitsprache am Nahverkehr und die transparente Gestaltung und die Beteiligung mit konkretem Bezug zu den Baustellen der WSW. Allgemein wurde auch gewünscht, dass es mehr Beteiligungsveranstaltungen gibt, dass die Vorschläge aus diesen Veranstaltungen, sofern möglich, umgesetzt werden und dass die Entscheidung in den Verwaltungs- und politischen Gremien transparent geschieht, sowohl bei Ablehnung eines Vorschlags als auch bei Zustimmung. Allgemein wurde auch angesprochen, dass die politische Kultur mit Blick auf die Beteiligung verbessert werden soll. Hier wurde unter anderem die Frage aufgeworfen, ob und inwiefern die Parteien überhaupt an einem für sie nicht kontrollierbaren Diskurs teilnehmen wollen. Es wurde ein fehlendes „Wuppertaler Selbstbewusstsein“ bzw. „Stolz auf die Stadt“ attestiert. Einfache Formate der Beteiligung, weniger Bürokratie und eine Einbindung weiterer Menschen wurden gefordert. Als konkretes Projekt wurde das Bürgerbudget angesprochen, dass in Zukunft demokratischer gestaltet werden sollte.

 

Projekte 2018

Ein Projekt der Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz e.V.: Africa Kids - Bildung für Afrika

Das Ziel dieses Projektes war es, das Thema Bildung in Afrika und die Verbindungen nach Wuppertal in die Öffentlichkeit zu bringen. Gerade in Zeiten populistischer Agitation und dem Erfinden einer sogenannten Flüchtlingskrise, war es dringend angezeigt, über Fluchtursachen aufzuklären. Mangelhafte und unzureichende Bildung in vielen Staaten Afrikas ist nur ein Grund, warum Menschen gezwungen sind, ihre Heimatländer zu verlassen. Wie sich nach intensiver Recherche herausstellte gab und gibt es zahlreiche Vereine, Initiativen und Einzelpersonen, die dieses Problem erkannt haben und sich mit Unterstützungen von SchülerInnen, Schulen und LehrerInnen in verschiedensten Ländern Afrikas engagieren. Es gelang einen Großteil dieser Akteure an einen Tisch zu bringen und gemeinsame Veranstaltungen durchzuführen. Somit konnten folgende neue Aktivistinnen für eine Beteiligung am Bundesprogramm gewonnen werden: Our Children our Future e.V. (Uganda); Jaapo e.V. (Senegal); Togo-Initiative (Togo); Andreas Landrock (Lehrer); die Gesamtschule Erich-Fried aus Wuppertal-Ronsdorf, die Abschir-Hassan-Stiftung (Somalia); Ankwan Mbusu (DRC-Kongo); Solingen für Afrika e.V.; Mpito e.V. (Kenia); Vera Kehne (Kenia); Herr Ebert (Südafrika); das Milias-Café und Kitma e.V. (Äthiopien).

Um das Thema ganzjährig in die Öffentlichkeit zu bringen, wurden zwei Veranstaltungen (April und September) durchgeführt. Im Frühjahr im Café ADA und im Herbst in der Börse. Erfreulich war, dass Herr Oberbürgermeister Mucke die Zeit gefunden hatte, die Veranstaltung in der Börse im September 2018 offiziell zu eröffnen und auch mit den genannten Akteuren sprechen konnte. Dies freute die beteiligten Vereine besonders, da weitere Kooperationen verabredet werden konnten und die Vereine, welche meist aus wenigen Aktiven bestehen, mit wenigen Eigenmitteln ausgestattet sind, dadurch das Gefühle einer Wertschätzung erfuhren.

 

Ein Projekt der Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz e.V.: Angola Cinemas

 

Ein Projekt der Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz e.V.: Lesung mit Robert Menasse

 

Ein Projekt des Wuppertaler Fan-Projektes: Anti-Rassismus im Stadion

Antirassismus Kampagne Fanprojekt Wuppertal
Wuppertaler SV ist mit seinen 1700 Mitgliedern der zweitgrößte Sportverein der Stadt. Zu den Fußballspielen gehen durchschnittlich 2500 ZuschauerInnen. Bei Spitzenspielen gegen Mannschaften wir Rot-Weiß Essen kommen sogar bis zu 10.000 Zuschauer ins Stadion am Zoo. Dies zeigt die große Bedeutung des Vereins in der Stadt und auch in der Stadtöffentlichkeit. Das Fanprojekt Wuppertal hat über die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekt e.V. Einblick in die Entwicklungen der bundesweiten Fanszenen. Mit Sorge wird unter den KollegInnen ein „Rechtsruck“ in vielen Fankurven beobachtet. Beispiele dafür finden sich sowohl in der Bundesliga (Dortmund, Köln) als auch in unteren Ligen (Duisburg, Braunschweig, Aachen). Das Fanprojekt Wuppertal hat daher eine breite Antirassismus Kampagne geplant und durchgeführt:
Ordnerschulung (April 2018)
Die Ordner beschäftigten sich in Gruppen mit Symbolen, Codes und Kleidungsmarken der extremen Rechten und erarbeiteten sich Hintergrundwissen zu einzelnen Erkennungszeichen – insbesondere im Hinblick auf ihre strafrechtliche Relevanz. So stärken sie den richtigen Umgang für Situationen, in denen rechtsextreme Tendenzen im Stadion Platz finden wollen.
T-Shirt Aktion (Mai 2018)
Die T- Shirts mit dem antirassistischen Logo wurden gemeinsam mit Fans vom Wuppertaler SV gestaltet und rund um das Heimspiel gegen FC Köln II abgegeben. Die Resonanz war so groß das innerhalbkürzester Zeit alle T-Shirts vergriffen waren. Da das Design und die Qualität der Shirts so gut ankamen, werden sie weiterhin bei den Spielen getragen und tragen somit zu einem Statement der Fanszene bei.
 

Generations- und Kunstprojekt "Toleranz ist immer farbenfroh" des Johanniter-Stifts

Das Projekt ist in Kooperation mit der Initiative für Demokratie und Toleranz in Wuppertal, Johanniter-Stift in Vohwinkel und der Künstlerin Justyna Weitz (Kunst Konzepte Weitz) geplant und durchgeführt worden. "Ich bin dabei - und ein Teil des Ganzen". In Zusammenarbeit mit vielen TeilnehmerInnen verschiedener Altersgruppen (Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senioren) wurde in Wuppertal ein Generations- Kunstprojekt zum Thema Toleranz durchgeführt. Vom 16.04.2018 bis 18.12.2018 wurde das Projekt als Kunst AG, Workshops an der Grundschule Radenberg mit den Klassen 3a und 3b, Pina-Bausch-Gesamtschule mit der Jahrgangstufe 9 und der Internationalen Klasse, im Familienzentrum mit den Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren und deren Eltern, Johanniter-Stift mit den Senioren durchgeführt. Anschließend besuchten die Teilnehmer des Kunstprojektes die Workshops an der Kunstschule "Kunst Konzepte Weitz". Zusätzlich wurden zu dem Kunstprojekt die Klassen 3a und 3b der Grundschule Schützenstraße eingeladen. Alle Teilnehmer haben auch unter der künstlerischen Leitung von der Künstlerin  Justyna Weitz abstrakte Formen auf  Leinbahnen gezeichnet und mit Aquarellfarben gemalt. Die Ausstellungseröffnung "Toleranz ist immer farbenfroh" fand am Freitag, den 30.11.18 statt. Die Eröffnungsrede hat der Landtagsabgeordnete der SPD Josef Neumann gehalten. Musikalisch haben die Ausstellungseröffnung Schülerinnen der Gesamtschule unter Leitung von Charlotte Schäfer begleitet. Bewusst wurden die Lieder zum Thema Toleranz ausgesucht und gesungen.

 

„5 Jahre NSU-Prozess - Kein Schlussstrich für Opfer und Zivilgesellschaft - Versuch einer Aufarbeitung von offenen Fragen“; ein Projekt des Regionalbüros Arbeit und Leben DGB/VHS Berg-Mark

Mitte Juli 2018 endete der längste Strafprozess der deutschen Nachkriegsgeschichte mit Urteilen gegen alle Angeklagten. Schon während des Prozesses wurde deutlich, dass die juristische Aufarbeitung keine vollständige Aufklärung im NSU-Komplex schaffen konnte. Des Weiteren waren die Hoffnungen, dass auch die gesellschaftlichen Folgen über den Prozess bearbeitet würden schnell negiert. Der rechte Terror und der Umgang der Strafverfolgungsbehörden in den 10 Jahren, in denen von staatlicher Seite, aber auch von vielen zivilgesellschaftlichen Akteuren nicht von rechtsterroristischen Straftaten aus-gegangen wurde, hat Konflikte ausgelöst und Opfer, deren Angehörige und Freunde desillusioniert zurück gelassen. Im Rahmen des Projektes wurde eine Exkursion in die Keupstraße unternommen, Filme gezeigt, Fach-Referent*innen eingeladen und

Schul-Kooperationen ins Leben gerufen, Multiplikator*innen-Schulung durchgeführt und die Ausstellung „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“ vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (SSFBB) e.V. gezeigt. All dies wurde durch Kooperationen mit SJD-Die Falken KV Bergisches Land, Fachschaft Politikwissenschaften, Fachschaft Sozialwissenschaften, so_ko_wpt, Umbruch, Bergische VHS, Utopia-Stadt, Tacheles e.V., Die Börse, Gesamtschule Barmen, Gymnasium Johannes Rau, Gymnasium Sedanstraße möglich. Insgesamt haben wir in Wuppertal in 2 Monaten mit 22 Veranstaltungen, 10 verschiedene Veranstaltungsorte bespielt und ca. 550 Teilnehmende erreicht (inkl. der Schulveranstaltungen).

 

„Demokratie anders Leben“; ein Projekt der Börse

Von der Freiheit, sich selbst verwirklichen zu können, ist es nur ein Schritt hin zur Selbst-Optimierung. An sich arbeiten für den Erfolg? Brauchen wir neue Utopien? Oder wollen wir einfach nur anders essen, anders fahren, anders wohnen, anders wirtschaften, schlicht, anders leben. Unabhängig von der politischen und gesellschaftlichen Diskussion wollen wir Beispiele für anders -wirtschaften – leben – arbeiten vorstellen und diskutieren. Die Börse erkundete in der zweiten Jahreshälfte 2018, welche „gelebten Utopien" zurzeit diskutiert und ausprobiert werden, hört nach, wie es denen geht, die sich auf den Weg gemacht haben, außerhalb der gängigen Gesellschaftsordnung zu leben und zu arbeiten. Zunächst schauten wir uns aber ein paar Beispiele in der Praxis an: Wie sieht es in der direkten Nachbarschaft aus? Wir haben zu Erkundungstouren eingeladen und bringen auch immer etwas mit: nach Tour & Picknick kommt Musik! Die Fahrradtouren kamen an folgenden Stationen vorbei und beschäftigten sich mit unterschiedlichen Themen:

Garten-Lust am Rande der Stadt - Selbsternte Landwirtschaft in Wuppertal

Gut zur Linden

Biodynamische Landwirtschaft heute - Im Tal der Biohöfe - Hof zur Hellen

Genossenschaften in Wuppertal – gestern und heute

Urbane Gärten Wuppertals – Städtische Landwirtschaft und der Permakulturhof Vorm Eichholz e.V.

Solidarische Landwirtschaft- Nermins-Garten, Mettmann

Ökologischer Landbau – Strategien für eine biologische Vielfalt?

Außerdem wurden folgende weitere Themen aufgegriffen und unter anderem durch ReferentInnen thematisiert:

In der Kommune anders leben - Kommune Niederkaufungen

Anders Leben im Wendland

Thementag Veganachtsmarkt

Vegane Kinderernährung

Vorteile des Veganismus für den Klimaschutz

Tierwohl - Tierschutz – Tierethik

Biozyklisch-Veganer Anbau – Zertifizierung

Die angebotenen thematischen Radtouren wurden sehr gut angenommen. Ebenso war das

Medieninteresse an den Radtouren sehr groß, was sich in verschiedenen Artikeln und Kommentaren in der örtlichen Presse widerspiegelte. Der Thementag zu Veganismus fand sehr guten Publikumszuspruch und war mit ca. 600 Besuchern in der Reihe „Demokratie – anders leben“ die erfolgreichste Veranstaltung. Der Thementag „Veganismus“ und die Radtouren sollen im Folgejahr wieder angeboten werden.