Der Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) lässt uns fassungslos und bestürzt zurück. Als Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz macht uns die queerfeindliche Gewalt vom 25. Juli 2026, durch die eine Person getötet und mehr als 30 Personen schwer verletzt wurden, äußerst betroffen. Der CSD steht für Offenheit, Vielfalt und Akzeptanz und ist gerade in diesen Zeiten ein wichtiger Anker für die queere Community, die schon immer – und in den letzten Jahren zunehmend – mit Anfeindungen und Diskriminierung zu kämpfen hat.
Queerfeindliche Gewalt befindet sich aktuell auf einem Höchststand.
Der islamistisch motivierte Terroranschlag in Berlin macht erneut deutlich, dass islamistische Ideologien von Antifeminismus sowie Queer- und Transfeindlichkeit geprägt sind. Geschlechtliche, sexuelle und familiäre Vielfalt werden abgelehnt, traditionelle Geschlechterrollen hingegen als gottgewollte Ordnung propagiert. Menschen, die nicht in dieses Weltbild passen, werden zum Feindbild – queere Menschen dadurch besonders häufig zur Zielscheibe von Hass und Gewalt.
Antifeminismus und insbesondere Queerfeindlichkeit müssen zugleich als Querschnittsthemen verschiedener religiös-fundamentalistischer und extrem rechter Ideologien verstanden werden. Auch die extreme Rechte mobilisiert seit Jahren gegen CSDs und Pride-Veranstaltungen, bedroht Teilnehmende und versucht, queere Sichtbarkeit einzuschüchtern. Obwohl diese Ideologien unterschiedliche Begründungen und politische Ziele verfolgen, verbindet sie die Abwertung geschlechtlicher und sexueller Vielfalt.
Gewalt beginnt jedoch nicht erst beim Terror. Queere Menschen erleben tagtäglich Gewalt in Form von Beleidigungen, Bedrohungen bis hin zu tätlichen Übergriffen. Umso wichtiger ist es, dass Politik und Gesellschaft queere Menschen konsequent unterstützen, ihre Rechte schützen und ihre Sichtbarkeit stärken. Gerade in Zeiten zunehmender Anfeindungen braucht es klare Solidarität und entschlossenes Handeln.
Wir schließen uns dem Appell der Organisator*innen des Berliner CSD an: Islamistischer Terror muss ganz klar als solcher benannt werden. Antifeminismus und insbesondere Queerfeindlichkeit müssen als Querschnittsthemen in verschiedenen religiös-fundamentalistischen und extrem rechten Weltbildern verstanden werden.
Bereits jetzt wird der Anschlag von extrem rechten AkteurInnen für rassistische Hetze instrumentalisiert. Gleichzeitig wird die Tat teilweise mit offener Schadenfreude kommentiert oder genutzt, um queerfeindliche Positionen weiter zu verbreiten.
Eine solche Tat darf weder für rassistische Hetze instrumentalisiert noch darf ihre islamistische Motivation verschwiegen oder relativiert werden.
Darüber hinaus finden queerfeindliche und antifeministische Narrative immer wieder Anschluss an gesellschaftliche Debatten und erfahren bis in die Mitte der Gesellschaft hinein Zustimmung oder Verharmlosung. Umso wichtiger ist es, diesen Einstellungen und ihrer Normalisierung entschieden entgegenzutreten. Unsere demokratische und vielfältige Gesellschaft sieht sich zunehmend Angriffen auf ihren Zusammenhalt ausgesetzt. Versuche, sie zu spalten, sowie das gezielte Schüren von Hass, Gewalt und Angst prägen die öffentliche Debatte.
Wir als Verein möchten hiermit unsere Solidarität mit allen Betroffenen queerfeindlicher Gewalt zum Ausdruck bringen und stellen uns gleichzeitig entschieden gegen die rassistische Aufladung dieser Tat.
Unsere Trauer und unser Mitgefühl gilt den Betroffenen und ihren Nächsten. Wir sind zugleich enttäuscht und wütend über jene, die nicht bereit sind, queere Menschen wirksam vor Gewalt – in jeder Form – zu schützen.
Es darf nicht erst eines islamistischen Terroranschlags bedürfen, damit Politik und Gesellschaft den Schutz queerer Menschen als gemeinsame Verantwortung begreifen.
Haltung gegen Queerfeindlichkeit und Antifeminismus muss selbstverständlich sein – jeden Tag und nicht erst nach einer solchen Tat.
Antifeminismus und Queerfeindlichkeit müssen endlich als Gefahr ernst genommen und von der Politik entsprechende Maßnahmen zum Schutz der queeren Community getroffen werden.
Die Sichtbarkeit, Sicherheit und Freiheit aller Menschen darf nicht verhandelbar sein!

