Nathan schwebt – Die Ringparabel in den Schwebebahnen

 

10. Juli 2026 | 15.00–16.00 Uhr | Schwebebahn Wuppertal, Start Haltestelle Vohwinkel

 

Mit der Aktion „Nathan schwebt – Antisemitismus ohne mich!“ wird die Ringparabel aus Gotthold Ephraim Lessings

Nathan der Weise dorthin gebracht, wo Menschen im Alltag zusammenkommen: in die Wuppertaler Schwebebahn.

 

Schauspieler*innen der Wuppertaler Bühnen lesen zwischen 15.00 und 16.00 Uhr in fahrenden Schwebebahnen die Ringparabel und setzen damit ein sichtbares Zeichen für Toleranz, Menschenfreundlichkeit und das friedliche Zusammenleben – gegen Antisemitismus, Vorurteile und Ausgrenzung. 

 

Die Aktion ist eine Kooperation des Wuppertaler Bündnisses gegen Antisemitismus, der Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz e. V. sowie des Büros zur Bekämpfung von Judenhass und Ausgrenzung der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal.

 

Steigen Sie ein und setzen Sie gemeinsam mit uns ein Zeichen gegen Antisemitismus und für eine offene, vielfältige Stadtgesellschaft.

 

Was ist Antisemitismus?

 

Definition - Der Kern

Antisemitismusist eine bestimmte Wahrnehmung von Jüdinnen und Juden, die sich als Hass gegenüber Jüdinnen und Juden ausdrücken kann. Er richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nicht-jüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen und religiöse Einrichtungen. (Frei nach der IHRA-Arbeitsdefinition)

 

Die Facetten des Antisemitismus - Wie er sich äußert

Antisemitismus hat verschiedene Erscheinungsformen. Sie überschneiden sich häufig und treten oft gemeinsam auf. Die folgenden Formen helfen dabei, antisemitische Aussagen und Handlungen besser zu erkennen.

 

Klassischer Antisemitismus

Der klassische Antisemitismus richtet sich gegen Jüdinnen*Juden aufgrund religiöser oder rassistischer Zuschreibungen.

Heute zeigt er sich häufig auch in modernen Verschwörungserzählungen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Religiöser Antijudaismus (z. B. die Behauptung, Jüdinnen*Juden seien „Gottesmörder“)
  • Rassistischer Antisemitismus, der Menschen aufgrund einer vermeintlichen „jüdischen Abstammung“ abwertet
  • Moderner Antisemitismus, etwa durch Verschwörungsmythen über angebliche jüdische Macht, Kontrolle oder Geld

 

Sekundärer Antisemitismus

Diese Form entstand nach der Shoah. Sie dient häufig dazu, Verantwortung für den Holocaust abzuwehren oder die Erinnerung daran infrage zu stellen.

Typische Erscheinungsformen sind:

  • Holocaust-Leugnung oder -Relativierung
  • Täter-Opfer-Umkehr, bei der Jüdinnen*Juden für Antisemitismus verantwortlich gemacht werden
  • Erinnerungsabwehr, etwa Forderungen nach einem „Schlussstrich“ unter die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus

 

Israelbezogener Antisemitismus

Kritik an der Politik der israelischen Regierung ist grundsätzlich legitim. Antisemitisch wird sie, wenn Israel anders behandelt wird als andere Staaten oder antisemitische Stereotype verwendet werden.

Anzeichen hierfür sind:

  • Dämonisierung Israels, indem Israel als grundsätzlich böse oder einzigartig verbrecherisch dargestellt wird
  • Doppelstandards, wenn an Israel Maßstäbe angelegt werden, die für andere Staaten nicht gelten
  • Delegitimierung, indem das Existenzrecht Israels grundsätzlich bestritten wird

 

 

Merkmale & Funktionsweisen - Das Denkmuster

  • Der Stereotyp der "Verschwörung": Jüdinnen und Juden wird fälschlicherweise eine geheime, weltweite Übermacht oder die Kontrolle über Medien, Finanzen und Politik zugeschrieben.
  • Sündenbock-Mechanismus: Komplexe Krisen (z. B. Kriege, Pandemien, Wirtschaftskrisen) werden durch vereinfachte Feindbilder "erklärt".
  • Dualistisches Weltbild: Die Aufteilung der Welt in "Gut" (wir) gegen "Böse" (die anderen/die "Strippenzieher").

 

Die Eskalationsstufen - Vom Wort zur Tat

  • Vorurteile & Sprache: Witze, Beleidigungen, Codes und Chiffren (z. B. "Globalisten", "Ostküste").
  • Diskriminierung: Ausschluss aus gesellschaftlichen Gruppen, Institutionen oder Berufen.
  • Sachbeschädigung: Schändung von Synagogen, Friedhöfen oder Stolpersteinen.
  • Gewalt & Terror: Physische Angriffe auf Personen, Anschläge auf jüdische Einrichtungen bis hin zum Völkermord (Shoah/Holocaust). 

 

 

Abgrenzung: Kritik an Israel vs. Antisemitismus

Zur Orientierung hilft der sogenannte 3-D-Test (nach Natan Sharansky).

Kritik an der israelischen Regierung ist legitim, wird aber antisemitisch, wenn:

Dämonisierung stattfindet (z. B. Vergleiche der israelischen Politik mit dem Nationalsozialismus).

Doppelstandards angelegt werden (z. B. wenn von Israel Dinge gefordert werden, die von keinem anderen demokratischen Staat verlangt werden).

Delegitimierung betrieben wird (z. B. dem Staat Israel das fundamentale Existenzrecht abgesprochen wird).

   

Was kann ich gegen Antisemitismus tun?

 

Antisemitismus geht uns alle an. Jede und jeder kann dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und jüdisches Leben zu schützen.

Nicht wegsehen
Wer antisemitische Aussagen, Witze oder Beleidigungen erlebt, sollte nicht schweigen. Ein respektvoller Widerspruch zeigt, dass Antisemitismus keinen Platz hat.

Betroffene unterstützen
Zeigen Sie Solidarität mit Betroffenen. Fragen Sie, ob Hilfe benötigt wird, hören Sie zu und nehmen Sie Erfahrungen ernst.

Informieren und sensibilisieren
Setzen Sie sich mit den verschiedenen Erscheinungsformen von Antisemitismus auseinander – auch mit modernen und israelbezogenen Formen. Wissen hilft, Vorurteile zu erkennen und ihnen entgegenzutreten.

Haltung zeigen
Ob im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, in der Schule oder im Verein: Eine klare Position gegen Antisemitismus stärkt eine offene und demokratische Gesellschaft.

Vorfälle melden
Antisemitische Vorfälle sollten dokumentiert und – wenn möglich – bei einer Meldestelle oder den zuständigen Behörden gemeldet werden. So wird das tatsächliche Ausmaß sichtbar und Betroffene erhalten Unterstützung.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Antisemitismus lässt sich nur gemeinsam bekämpfen. Jede Form von Zivilcourage, Aufklärung und Solidarität trägt dazu bei, jüdisches Leben sichtbar, sicher und selbstverständlich zu machen.

 

Quelle und weiterführende Informationen: Die Inhalte dieser Übersicht orientieren sich an den Handlungsempfehlungen der Amadeu Antonio Stiftung. Ausführliche Informationen finden Sie unter: https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/antisemitismus/was-kann-ich-gegen-antisemitismus-tun/

 

Links zu Materialien & weiterführende Informationen 

Sichtbar Handeln! Gegen Antisemitismus. – Bildung in Deutschland – Begegnung mit Israel

www.stopantisemitismus.de

 

Wo bekomme ich Unterstützung?

 

Rias / Meldestelle, Recherche und Information: Report Antisemitism

SABRA / Beratung und Bildung: Startseite • Sabra

NS-Dokumentationszentrum Köln / Meldestelle und Beratung: NS-Dokumentationszentrum Köln - Beratung zu Antisemitismus

Adira / Beratung und Bildung: - ADIRA - Antidiskriminierungsberatung und Intervention bei Antisemitismus und Rassismus

OFEK / Meldestelle und Beratung: OFEK e.V. – Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung

Begegnungsstätte Alte Synagoge / Bildung: Startseite - Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal

KIgA / Bildung: KIgA e.V. - Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus

Leo Trepp Stiftung / Bildung: Leo Trepp, Rabbiner, Lehrender, Autor | Leo Trepp

Hawar Help / Bildung: ImpACT – UNSERE BILDUNGSPROJEKTE — HÁWAR.help

Bildungsstätte Anne Frank: Website der Bildungsstätte Anne Frank: Home

Vielfalt Mediathek / Materialien: Antisemitismus • Vielfalt-Mediathek

Landeszentrale politische Bildung / Materialien: Antisemitismus in Nordrhein-Westfalen - Politische Bildung NRW

Bundeszentrale politische Bildung / Materialien: Antisemitismus | bpb.de

 

Jüdisches Leben in Wuppertal

 

Die Begegnungsstätte Alte Synagoge

Die „Begegnungsstätte Alte Synagoge“ erinnert seit 1994 als Gedenkstätte an die Opfer des Nationalsozialismus. Sie befindet sich im Zentrum von Wuppertal-Elberfeld an der Stelle, an der bis zum Novemberpogrom 1938 die Synagoge stand. Den Grundriss der zerstörten Synagoge bezeichnen graue Granitsteinplatten. An der nördlichen Seite ist die freigelegte Ruine einer der Grundmauern zu sehen, die als „Mahnmal“ an die nationalsozialistische Judenverfolgung erinnert. Daran schließt sich ein Garten mit zehn Apfelbäumen und einem künstlichen Wasserlauf in der Mitte an – ein „unbetretbarer Ort“. https://alte-synagoge-wuppertal.de/museum/gebaeude-und-geschichte?L=1

 

Bildungsarbeit/ Schulprojekte

Ein Großteil der Aktivitäten der Begegnungsstätte besteht aus der Begleitung von Schulklassen und anderen Gruppen durch die Dauerausstellung „Tora und Textilien“. Die Vielfalt und Dynamik des Judentums in Vergangenheit und Gegenwart sind hier anhand vieler Lebensgeschichten Wuppertaler Jüdinnen und Juden anschaulich gemacht.

 

Schüler*innen aller Schulformen und aller Jahrgangsstufen ab dem 3. Schuljahr besuchen unsere Ausstellung. Hinter Klappen und Türen gibt es viel zu entdecken. Faszinierende Objekte und originale Dokumente sind leicht verständlich erklärt, und Hörstationen ergänzen die Informationen u.a. durch Musik und Zeitzeugenaussagen.

 

Unsere pädagogische Methode bezieht alle Schüler*innen aktiv in den Ausstellungsbesuch ein. Er wird auch dadurch zu einer sinnvollen und wirksamen Ergänzung im Unterricht der Fächer Geschichte, Gesellschaftswissenschaften, Religion, Praktische Philosophie, Deutsch und Politik sein, aber auch fachübergreifend im Rahmen von Projekttagen und -wochen oder der AG-Arbeit.

https://alte-synagoge-wuppertal.de/bildung

 

Erinnerungskultur

Das digitale Gedenkbuch der Begegnungsstätte Alte Synagoge führt die Namen aller bekannten Holocaustopfer (1460, Stand Juli 2026) aus Wuppertal auf. Nach und nach werden auch die Biografien der Opfer rekonstruiert.

Außerdem enthält das digitale Gedenkbuch eine historische Einführung über die nationalsozialistische Judenverfolgung in Wuppertal: Boykott, „Nürnberger Gesetze“, „Polenaktion“, Pogrom, Zwangsräume, Jüdische Reaktionen (Jüdischer Kulturbund, Centralverein, Emigration, Kindertransporte) und Deportationen. https://wuppertaler-gedenkbuch.de 

 

Jüdische Geschichte in Wuppertal 

Erst 1852 hatte sich im Wuppertal eine jüdische Gemeinde offiziell gegründet. Mit der Industrialisierung der Wupperstädte und dem Eisenbahnanschluss in der Mitte des 19. Jahrhunderts erfuhr die Zuwanderung der Juden einen enormen Schub.

 

Im Jahr 1865 baute die Gemeinde eine erste repräsentative Synagoge an der Genügsamkeitstraße, und nach der Gründung einer eigenen jüdischen Gemeinde in Barmen errichtete man in der Straße Zur Scheuren 1897 eine zweite Synagoge. Beide Synagogen wurden in der Nacht zum 10. November 1938 von SA-Männern und fanatischen Judenfeinden in Brand gesetzt. Die Täter überfielen die noch in Wuppertal lebenden jüdischen Familien in ihren Wohnungen und misshandelten sie, drangen in Geschäfte jüdischer Eigentümer ein, zerschlugen und plünderte Waren und Inventar. Der Auswanderungsdruck erhöhte sich durch diese Gewaltaktion erheblich: Hatten im Jahr 1933 noch rund 3.000 Jüdinnen und Juden in Wuppertal gelebt (Gesamtbevölkerungszahl 411.000), waren es 1936 nur noch 2.480 (410.000), 1942 1.000 (400.000). Im Herbst 1941 und im April und Juli 1942 wurden die noch in Wuppertal verbliebenen Jüdinnen und Juden in vier Transporten nach Lodz, Minsk, Izbica und Theresienstadt deportiert. Bis auf wenige Ausnahmen kamen alle von ihnen dort um oder wurden an anderen Orten ermordet.

 

Im Januar 1946 fanden sich Überlebende Jüdinnen und Juden zur Gründung einer neuen Gemeinde zusammen, die über Jahrzehnte nie mehr als 100 Menschen zu ihren Mitgliedern zählte. Erst mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Zuwanderung jüdischer Familien aus den GUS-Staaten wuchs auch wieder die Gemeinde in Wuppertal, die im Dezember 2002 eine neue Synagoge in Wuppertal-Barmen einweihte. Die Zahl der Mitglieder beträgt aktuell rund 2.300 (Stand Oktober 2021).

 

Unter folgender Web-adresse findet sich eine umfangreiche Chronik zur jüdischen Geschichte in Wuppertal und eine vollständige Liste aller Gedenkzeichen, darunter auch die „Stolpersteine“.

https://alte-synagoge-wuppertal.de/museum/gebaeude-und-geschichte?L=1 

(Texte zu Jüdischem Leben in Wuppertal von Ulrike Schrader/Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge)

 

 

 

Materialien

Mit Kindern über den Nationalsozialismus sprechen

Materialien für die pädagogische Arbeit mit Kindern von 9 bis 12 Jahren

Download PDF

Jenseits des Bermuda-Dreiecks

Verschwörungstheorien als Thema der politischen Jugendbildung

Download PDF